Wer bist du und was machst du?
Ich bin Til, 29 Jahre alt und bin Jugendkandidat von DIE LINKE in Sachsen. Ich bin gebürtiger Leipziger, habe dort mein Abitur gemacht und meinen Bachelor in Sozialwissenschaften & Philosphie mit Kernfach Philosophie. Danach habe ich eine kleine Studiumspause gemacht und studiere derzeit wieder im Master (Politikwissenschaft). Nebenbei habe ich einen Teilzeitjob in Berlin und arbeite freiberuflich als Layouter.

Wie bist du zur Politik gekommen?
Mit dem Fahrrad (wie eigentlich überall hin) 🙂

Im Ernst: „Zur Politik kommen“ ist eine seltsame Formulierung. Denn es gibt wenig, was nicht „politisch“ ist. Selbst wer nichts macht, sich nicht engagiert, keine Meinung äußert und nicht wählt,handelt damit politisch – und zwar in dem Sinne, als dass wer nicht für Veränderung handelt, automatisch (wenn vielleicht auch ungewollt) die derzeitigen Zustände stärkt. Ich deute also die Frage mal so, wie ich dazugekommen bin, mich bewusst zu engagieren. Das fing eigentlich mit den Nazidemonstrationen des Hamburger Christian Worch in den Neunziger Jahren an. Als dann 2004 die NPD mit über 9% in den sächsischen Landtageigenzogen ist (und dabei fast die SPD überholt hatte!) habe ich mich im gerade gegründeten Satireprojekt „Front Deutscher Äpfel“ (aka Apfelfront) eingebracht und war danach auch in diversen anderen Strukturen unterwegs. Weil ich Parteien zwar etwas seltsame aber dennoch spannende Organisationen fand, bin ich dann Ende 2007 nach der Fusion von PDS und WASG in DIE LINKE eingetreten, und spuke seitdem in dieser Partei umher. (Wobei gesagt werden muss, dass der Einstieg anfangs etwas holprig war, aber danach gings).

Politische Schwerpunkte

a) meiner Partei/Jugendverband
Partei: Die Schwerpunkte von DIE LINKE sind ganz klar ein Kurs, der in wirtschaftlichen Fragen a) auf das Öffentliche und das Gemeingut setzt und entsprechend Privatisierungen ablehnt und b) für eine Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums von Oben nach Unten eintritt. In gesellschaftspolitischen Fragen streitet sie für Grund- und Freiheitsrechte, also Datenschutz, Selbstbestimmung, mehr Demokratie von unten und die Meinungsfreiheit wie auch die Freiheit der Liebe. Außerdem geht‘s konsequent gegen menschenfeindliche Ideologien, Rassismus usw.

Jugendverband:

  • Europa (für eine Demokratisierung und ein Zusammenwachsen Europas),
  • Energiewende (Klimaschutz),
  • das Recht auf Stadt (auch auf dem Land – die „Pampa“ und die, die dort leben, dürfen nicht abgehängt werden!),
  • ein Umdenken im Arbeitsleben (u.a. Arbeitszeit umverteilen, höhere Löhne),
  • Laizismus (die strikte Trennung von Kirche/Religion und Staat),
  • Demokratie für alle (Wahlalter senken, 5%-Hürde abschaffen, basisdemokratische Entscheidungsmöglichkeiten auch auf Bundesebene) sowie
  • eine moderne Drogenpolitik (Aufklärung statt Kriminalisierung, Akzeptanz auch von Rausch als kultureller Normalität, Legalisierung und Kontrolle statt Schwarzmarkt und Verunreinigungen).

b) meine persönlichen Schwerpunkte
Die decken sich logischerweise ziemlich gut mit denen meiner Partei und meines Jugendverbandes – sonst wäre ich da ja falsch 😉 Persönlich wichtig ist mir zudem ein hohe Maß an Transparenz, das heißt, alle Abgeordneten sollten aus meiner Sicht ihre Einkünfte und Geldverwendung offen legen. Außerdem hat mein Jugendverband linksjugend [’solid] beschlossen, dass die Diäten an das Durchschnittsgehalt in Deutschland gekoppelt werden sollen – sehr sinnvoll und Abgeordnete anderer linker Parteien in anderen Ländern praktizieren das zum Teil schon.

Wie können junge Menschen mehr eingebunden werden?
Auf zwei Wegen:
a) Junge Menschen müssen mehr echte Entscheidungs- und Mitbestimmungsmöglichkeiten haben. Statt dem 456. Angebot zur Scheinbeteiligung (Leute dürfen mal was sagen, bunte Karten bemalen und danach verschwindet das alles im Papierkorb) muss das Wahlalter einfach gesenkt werden, müssen Schülervertreterinnen und Schülervertreter in der Schulkonferenz mehr zu sagen haben und muss demokratische Mitbestimmung schon im Kindergarten anfangen.
b) Ansonsten sollte man sich am besten selbst einbinden: In bestehende Parteien eintreten, in Vereinen mitmachen oder welche gründen, Demos besuchen oder organisieren – einfach selber machen.

Kontaktdaten:
Tilman Loos, 29 Jahre, DIE LINKE
Web:                             www.tilmanloos.de
Twitter:                        @me_til
Jugendverband:          linksjugend [’solid] Sachsen