Das „Recht auf Stadt“ stellt eine Kernforderung linker Diskurse dar – unabhängig davon, ob sie im urbanen oder im ländlichen Raum geführt werden. Recht auf Stadt beinhaltet viele Forderungen, die aber alle darauf abzielen, eine Stadt für alle Menschen attraktiv und erlebbar zu machen, unabhängig vom sozialen Status, dem Einkommen oder der Herkunft. Dafür ist es nicht hinnehmbar, dass Mieten immer teurer werden und Menschen mit niedrigerem Einkommen in die Randbezirke gedrängt werden. Ebenso wenig kann hingenommen werden, dass Gebäude aus Kalkül und Spekulationsgründen leer stehen und verrotten, dass kulturelle Angebote danach bemessen werden, ob sie „schwarze Zahlen“ schreiben und anderenfalls geschlossen werden oder dass statt sozialem Wohnungsbau allerorts Luxussanierungen durchgeführt werden.

Recht auf Stadt bedeutet auch das Recht auf linke, selbstverwaltete Freiräume und auf eine unkommerzielle und unkomplizierte Nutzung von Flächen. Wohnraum und städtisches Territorium dürfen nicht mehr im Sinne einer neoliberalen Verwertungslogik als Ware wahrgenommen werden, sondern müssen wieder den Menschen zur Verfügung stehen, die ihn bewohnen oder es nutzen.

Recht auf Stadt bedeutet letztendlich also dein Recht der eigenen Selbstverwirklichung in der Stadt deiner Wahl!

Mindestens genauso wichtig ist es jedoch, dafür zu Sorge zu tragen, dass das Recht auf Stadt auch in der Provinz Einzug hält. Viele junge Menschen erleben besonders in den ländlichen Gebieten Dunkelsachsens eine bittere Trost- und Perspektivlosigkeit, deren Ergebnis nicht nur ist, dass sich junge Menschen nicht erst nach Erlangen des Schulabschlusses in Richtung der großen Städte orientieren (natürlich ohne das irgendwem zum Vorwurf machen zu können) und die Provinz somit nur weiter ausblutet , sondern auch darin, dass in dünn besiedelten Gebieten das Verbreiten fremdenfeindlichen und allgemein unemanzipatorischen Gedankenguts zunehmend einfacher wird.

Die Spirale der Trostlosigkeit bekommt so nur immer weitere Wirbel. Wir fordern, dass jugendkulturelles Engagement in der Pampa stark gefördert, statt kaputtgespart wird. Wir fordern, dass der ÖPNV so ausgestaltet wird, dass kein Dorfkid sich bei möglicherweise nächtlichen, winterlichen und besoffenen Radtouren in Lebensgefahr bringen muss, um nach Tätigkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe (z. B. Party, Chillen am See, Shoppen, Bandprobe, Sprayen, Skaten, Schul-AG’s, Kino [wenns das auf dem Dorf gäbe, lol] wieder nach Hause zu kommen.

Wir fordern, dass das 21. Jahrhundert auch in Form von Breitbandanschlüssen und Mobilfunkabdeckung endlich auf dem Land Einzug hält.

 

Kurzum fordern wir, dass die Jugend auf dem Dorfe nicht alleingelassen wird. Recht auf Stadt, auch auf dem Land!